Die Altstadt - Sagen & Geschichten

Der Löwenpudel

Der Löwenpudel
Eine der bekanntesten Sagen in Osnabrück ist die Sage vom Löwenpudel. Wann diese Sage zum ersten Mal erzählt oder gar aufgeschrieben wurde, ist noch nicht erforscht. Doch gibt es in der Sage selbst einen Hinweis auf ihre Entstehungszeit, denn Pudel gab es zu Lebzeiten Karls des Großen im 8. Jahrhundert noch gar nicht.
Neben der Hauptfigur, dem Pudel spielen in dieser Sage natürlich „die Osnabrücker“, Karl der Große, seine Schwester und Wittekind eine Rolle. Zugetragen haben soll sich das in der Sage erzählte während der Sachsenkriege Karls des Großen.
Wittekind, den wir Osnabrücker so nennen, der eigentlich Widukind heißt, führt seit 778 den Aufstand der Sachsen gegen die Franken an, bis er sich 785 vermutlich in der Königspfalz Attigny taufen lies.
„Die Osnabrücker“, so beschreibt es wenigstens die Sage, schließen sich den „Aufständischen“ an, allerdings erst nachdem Widukind in die Stadt kam. Nun, eine Stadt kann man Osnabrück in jenen Tagen noch nicht nennen, doch es gibt schon den ersten Dom und wir warten auf die Ergebnisse der Archäologen, die zur Zeit zwischen Dom und Hase an der Hellingsmauer graben und vielleicht bald Auskunft darüber geben können, wie Osnabrück neben der Domburg im 8. Jahrhundert ausgesehen hat.
Seit dem xx Jahrhundert verehren wir Osnabrücker Karl den Großen als Domgründer und damit als Gründer dieser Stadt und es ist schon schändlich von uns Osnabrückern, dass wir erst Karl dem Großen die Treue schören und dann zu Widukind dem Aufstänsischen überlaufen.
Dass Treuebruch Karl dem Großen überhaupt nicht gefallen hat, liegt auf der Hand und dass er sich dafür „räschen“ will ebenfalls. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Karl der Große gegen Osnabrück zieht zu einem Vergeltungsschlag.
Allerdings ist es verwunderlich, dass Karl als Vergeltung nur ein Lebewesen töten will, wo wir doch von ganz anderen Opferzahlen wissen, zum Beispiel 4.500 Tote beim „Blutgericht von Verden (Aller). Doch auch jenes Blutgericht ist mit dieser Opferzahlen historisch nicht belegbar und das geforderte eine Osnabrücker Opfer spricht doch eher für ein besonderes Verhältnis, das Karl der Große zu uns Osnabrückern hatte. Ob wir Osnabrücker uns dieses besondere Verhältnis erst ausgedacht haben, als wir im xxx Jahrhundert angefingen, Karl den Großen zu verehren oder vielleicht doch an seiner Schwester, die laut Sage in Osnabrück mit einem edlen Sachsen verheiratet war, bleibt ungewiss.
Welche seiner vier Schwestern in Osnabrück lebte, ist nicht überliefert. Gisela, die Äbtissin von Chelles wird es wohl nicht gewesen sein. Ob überhaupt eine Schwester Karls mit einem edlen Sachsen verheiratet war, ist auch nicht bekannt. Dennoch ist dieser Umstand entscheidend für die Sage, denn die Schwester will sich immerhin für uns Osnabrücker bei ihrem Bruder einsetzen und um Gnade bitten. Beschreibt schon die Forderung Karls nach nur einem Opfer als Racheakt ein besonderes Verhältnis zwischen den Osnabrückern und Karl, so ist das Gnadengesuch seiner Schwester für uns Osnabücker oder besser gesagt für Einen von uns die Rettung.
Allerdings für seine Schwester fast der Untergang. Denn das erste Lebewesen, das ihm am Tor begegnet sollte sein Leben verlieren, so hat es Karl angekündigt und nun macht sich seine Schwester als Erste, wahrscheinlich auch als einzige auf den Weg zu ihm, denn wir Osnabrücker fürchten uns vor Karls Rache für unseren Treuebruch und Widukind hatte sich bereits ins Nettetal abgesetzt.
Nun seine Schwester hatte sich eine besondere Mission ausgedacht, das Gnadengesuch und wahrscheinlich hatte diese besondere Mission sie vergessen lassen, was ihr blühen wird, wenn sie als erste die Stadt verlässt.
Karl wird seinen Racheschwur spätestens dann bereut haben, als er seine Schwester erkennt. Und so beschreibt es auch die Sage. Er ist verzweifelt, fleht zum Himmel, nein seine Schwester soll nicht das Opfer sein. Zum Glück für alle Beteiligten, für Karl, seine Schwester und vor allem für uns Osnabrücker besitzt seine Schwester einen Hund und der war schneller als sein Frauchen bei Karl und leckt ihm die Hand. Dafür muss der Hund nun sein Leben lassen für Karls Schwester, doch vor allem für uns Osnabrücker.
Ein Hund rettet uns vor der Rache Karls: „Aus Dankbarkeit ließen die Bürger das Bild des Hundes in Stein hauen“, beschreibt die Sage. Dass der Hund eher wie ein Löwe ausssieht, könnte man dem heldenhaften Charakter des Hundes zuschreiben. Doch der Löwe vor dem Dom ist das Zeichen des Gogerichts, das einst hier getagt hatte und deshalb findet man den Löwen auch am Bürgerbrunnen vor der Abbildung jener Todesstrafen, die in früheren Jahrhunderten vom Gogericht in Osnabrück ausgesprochen wurden.
Alle Zitate aus: Helge Dettmer, Sagen, Märchen und Legenden aus der Region Osnabrück-Emsland, Leun/Lahn 1997.